EKL Erb/Künzi/Loher

Improvisierte Musik.

Auf eine abenteuerliche musikalische Fahrt muss man sich bei diesem Trio einstellen. Gegebenenfalls darf man gar das Klischee der musikalischen Achterbahnfahrt bemühen, bei der man sich tunlichst gut anschnallen sollte, um nicht alles und letztlich auch seine gesamte musikalische Sozialisation und sein musikalisches Leben aufs Spiel zu setzen. Aus mehreren Gründen funktioniert hier die Metapher nicht. Denn wer sich bei der Rezeption dieser Band anschnallt, der hat auch schon verloren. Wer klare Erwartungshaltungen hat, der wird keinen Zugang finden. Diese Band faucht, schüttelt ab, nimmt gefangen und will so selbst gar nicht die Gefangenschaft von Genre, Richtung, Ziel und Einheit akzeptieren. Ein ständiger Kampf von musikalischen Schwergewichten gegen die Stringenz, Vorhersehbarkeit und gegen etwas, das man vielleicht Avant-Jazz nennen könnte – oder auch zeitgenössische improvisierte Musik. In diesem Fall wird man aber mit keinem der Begriffe weit kommen. Spätestens wenn sich die Begriffe setzen und man sich somit (zu) gut angeschnallt hat, verliert man den Anschluss. Die Musiker in dieser Band sind einfach zu wenig. Was bleibt einem also übrig, als, wenn auch manchmal schweren Herzens, alles über Bord zu werfen, was man in Sachen Musik zu wissen geglaubt hatte? Wissen wird zur Haltung, und den Hemmschuh der Gewissheit darf man sich hier getrost abstreifen. Und dann kann man in dieser Musik befreit herumwandeln, das Gras unter den eigenen Füßen spüren, wieder richtig empfinden. Denn vom Glauben daran, wie es zu klingen hat, werden wir nur abgehalten, wirklich zu hören und im Augenblick zu rezipieren.

Literaturcafé

Obergasse 11
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